[Rezension] Wie man einen Toaster überlistet

Originaltitel: Unauthorized Bread
Hardcover, Pappband, 176 Seiten
ISBN: 978-3-453-32015-4
Erschienen am  08. April 2019

Darum geht es 

Nach vielen Jahren in Flüchtlingsheimen und Notunterkünften kann Salima endlich in ein Hochhausapartment umziehen. Das Gebäude ist zwar neu, aber damit fangen die Probleme erst an: Der intelligente Toaster gibt auf einmal den Geist auf und nimmt nur noch das Brot der Toastermarke an. Dann fällt der Kühlschrank aus. Als Salima feststellt, dass selbst der Fahrstuhl die ärmeren Mieter benachteiligt, fasst sie einen Entschluss. Es muss doch einen Weg geben, sich in die Haushaltsgeräte zu hacken und sie wieder frei verfügbar zu machen! Gesagt, getan …

Meine Meinung

Was war das bitteschön für ein Ende? Ich weiß, dass Novellen ja meist mit einem Ergebnis enden, was hier auch der Fall war, aber das ziemlich abrupt…

Oftmals wird die Novelle von irrationalen, unwahrscheinlichen oder auch unkrontrollierbaren Mächten bestimmt, die in die Existenz der Protagonisten eingreifen. Dennoch bleibt die Geschichte glaubhaft und nachvollziehbar.

Auch dieser Definition einer Novelle kann ich hier zustimmen , diese unkrontollierbare Macht ist hierbei das Unternehmen Boulangism, dessen Geräte nur Produkte ihrer eigenen Marke in Betrieb bringen. Dazu zählen der Geschirrspüler, der Kühlschrank und wie der Titel der Novelle schon verrät, der Toaster.

Spielt der Name der Firma auf die politische Bewegung des Boulangismus an? Jedenfalls werden in Doctorows Novelle so einige Themen, wie z.B. Flüchtlinge, Unterdrückung der Unterschicht sowie dystopische Züge à la „1984“ aufgegriffen.

Der Schreibstil hat mich dabei stark an den von Robert M. Sonntags „Die Scanner“ erinnert, die Seiten flogen nur so dahin.

Es gab nur eine Handvoll Protagonisten, die durch ihr handeln charakterisiert werden können. Eine Rahmenerzählung ist hier durchaus sichtbar, die mich überzeugen konnte und das auf eine sehr realistische Weise, die durchaus eine potenzielle Zukunft darstellt.

Sehr lesenswert!

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[Rezension] Society – Der Kreis der Zwölf 

Originaltitel: The Conspiracy of Us
Originalverlag: Speak
Taschenbuch, Broschur, 448 Seiten, 
ISBN: 978-3-570-31094-6
Erschienen am  08. Juli 2019

»Da Vinci Code« in Prada-Glamour, sexy und romantisch

Avery Wests Familie kann eigentlich alles möglich machen. Sie gehört nämlich einer mächtigen Geheimgesellschaft namens »Circle« an. Und sie alle denken, Avery sei das fehlende Bindeglied einer uralten Prophezeiung. Ein paar wollen sie als Pfand. Einige möchten ihren Tod. Um ihr Leben zu retten, muss Avery einer Spur folgen, die sie von den Pariser Boulevards in die Gässchen Istanbuls führt. An ihrer Seite der wunderschöne, unberechenbare Stellan und der so mysteriöse wie faszinierende Jack. Doch kann sie ihnen trauen?

Meinung 

Die ersten Kapitel waren noch sehr uninteressant. Ein typisches Einsteigen, der Personenkonstellation mit der Tatsache, dass die Protagonistin Avery sich nie lange an einem Wohnort aufhält und sich auch an ihrer neuen Schule darauf eingestellt hat, sich nicht zu sehr mit anderen anzufreunden. Ein Lichtblick für sie: Sie ist nicht ganz alleine die Neue. Auch Jack ist neu an der Schule und schafft es Avery aus ihrer Reserve zu holen. Und mit Jack ändert sich Averys Leben quasi über Nacht. Auf dem Schulabschlussball, zudem sie eigentlich nicht hin wollte und letztlich von ihrer Mutter verboten worden ist hinzugehen, taucht noch ein junger Mann auf. Stellan. Dieser ist genauso mysteriös wie Jack und beide haben denselben Auftrag. Avery holen. Und da beginnt Averys Leben zu einem Abenteuer zu werden.

Der Schreibstil war sehr einfach, umgangssprachlich. Anfangs dachte ich noch, dass der Schreibstil sich als schleppend entwickeln könnte, aber das war dann doch nicht der Fall.

Was mich gestört hatte, war die Tatsache, dass Avery einfach so mit einem fremden Typen in ein anderes Land gereist ist. Sogar gleich auf einen anderen Kontinient. Wer macht denn sowas? Ich weiß nicht, ob es nur mir als Leser so ergangen ist, aber die Tatsache dass Averys Mum ihr gerade am Abend des Schulballs verboten hat auszugehen, sollte ihr doch zu denken geben. Und wenn man dann noch hinzuzählt, dass ihre Mum von der Organisation die Stellan ihr gegenüber auf dem Flug ihr gegenüber erwähnt, Briefe erhalten hat…naja.

In der Nacht geht es für Avery nach Paris. Interessant fand ich, dass der Louvre dabei als Ort einer Geheimgesellschaft genutzt worden ist, der über den Museum seinen Wohnraum hat. Und dann würde es auch schon schnell spannend, als Avery beim Shoppen angegriffen wird. Wieso, weshalb, warum? Was hat Abetys Familie damit zu tun und wird sie die endlich kennenlernen? Wird sie die Lücke endlich füllen können? Lesen! 😉

Band 2  Society – Die Karte des Schicksals erscheint am 10. Februar 2020.

[Rezension] Die Fotografin – Am Anfang des Weges

Fotografinnen-Saga (1)

Hardcover
€ 20,00 [D]inkl. MwSt.
€ 20,60 [A] | CHF 28,90 *(* empf. VK-Preis)
Hardcover mit Schutzumschlag, 448 Seiten,
mit bebildertem Anhang in s/w
ISBN: 978-3-7645-0662-9
Erschienen am  10. September 2018

Zum Inhalt 

Gegen alle Widerstände wird Mimi Reventlow Fotografin, und findet nicht nur ihre Freiheit, sondern auch die Liebe …

Minna Reventlow, genannt Mimi, war schon immer anders als die Frauen ihrer Zeit. Es ist das Jahr 1911, und während andere Frauen sich um Familie und Haushalt kümmern, hat Mimi ihren großen Traum wahr gemacht. Sie bereist als Fotografin das ganze Land und liebt es, den Menschen mit ihren Fotografien Schönheit zu schenken, genau wie ihr Onkel Josef, der ihr großes Vorbild ist. Als dieser erkrankt, zieht sie in das kleine Leinenweberdorf Laichingen, um ihn zu pflegen und vorübergehend sein Fotoatelier zu übernehmen. Ihm zuliebe verzichtet sie nicht nur auf ihre Unabhängigkeit, sondern sieht sich in Laichingen zunächst auch den misstrauischen Blicken der Dorfbewohner ausgesetzt, da sie mehr als einmal mit ihrem Freigeist aneckt. Und als bald ein Mann Mimis Herz höher schlagen lässt, muss sie eine Entscheidung treffen …

Meinung

Wo fange ich an?

Der erste Roman der Fotografinnen-Saga zieht nicht nur mit einem schönen Cover an, auch das Innenleben zum Ende des Romans zeigt die Geschichte der Frau in der Fotografie. 

Die Protagonistin Mimi Reventlow wächst als Tochter eines Pfarrers auf und im Vergleich zu anderen jungen Frauen in ihrem Alter fängt sie eine ungewöhnliche Ausbildung an. Als Fotografin. Da ihre Ausbildung im Laden alles andere als praktisch verläuft, da sie nur für Ordnung sorgen darf und sie sich immer ihren Onkel Josef zum Vorbild genommen hat wird sie, wie ihr Onkel Wanderfotografin. Mit anfänglichen Schwierigkeiten arbeitet sie sich zu einer im Fotografenkreisen große Fotografin hoch. 

Einen Einschnitt gibt es dann, als sie zehn Jahre später ihren Onkel besucht, der gesundheitlich angeschlagen soll. Das hatte mich im Handlungsverlauf überrascht, wurde die Beziehung zwischen Nichte und Onkel immer als eng beschrieben. Da hätte man sich doch irgendwie die Zeit nehmen können, um sich zu treffen bzw. zu sehen.

Der Roman erzählt überwiegend aus Mimis Sicht, in ersten Dritten der Handlung kommt es dann immer mal wieder zu einem Wechsel der Sicht, in verschiedenen Städten, in denen Mimi dann im nächsten Kapitel anreist oder sich schon befindet. 

Mimi selbst ist eine selbstbewusste Frau, die Ungerechtigkeit und Dreistigkeit nicht leiden kann und ihre Meinung dazu auch nicht hinter vorgehaltener Hand lässt. Gerade als sie zu Besuch bei Josef ist, kann sie nicht ruhelos dabei zuschauen, wie ihr Onkel in ein Angebot einwilligen will. Auch lernt sie bei einem Zwischenstop auf dem Weg zu ihren Onkel jemanden kennen, der danach ihre Gedanken durchstreift und auch der Fabrikchef wird ihren Weg kreuzen und was dann passieren wird, werde ich nicht verraten 😉 

Es geht nämlich weiter:

Band 2 “ Die Fotografin – Die Zeit der Entscheidung ist seit dem 08.04.2019 erhältlich.
08.04.2019

[Rezension] Das Internet muss weg


Originaltitel: Das Internet muss weg
Originalverlag: Knaus, München 2018
Taschenbuch, Broschur, 272 Seiten, 
ISBN: 978-3-328-10443-8
Erschienen am  13. Mai 2019


Eine fundamentale Abrechnung mit dem Internet von einem der einflussreichsten Blogger der Republik

Ausgerechnet Schlecky Silberstein, Kultakteur in der Netzgemeinde, propagiert diesen Leitspruch: »Das Internet muss weg.« Der Blogger und Online Comedian kennt das Netz wie seine Westentasche. Und gerade deshalb warnt er davor. Dank Fake News, Filterblasen und Social Bots erlangen Konzerne, politische Entscheidungsträger und Kriminelle zunehmend Kontrolle über weite Teile der Menschheit. Schlecky Silberstein analysiert den »Daten-Kasino-Kapitalismus«, in dem unsere Daten als Handelsware gezielt eingesetzt werden, um unser Verhalten vorherzusagen und zu beeinflussen. Nicht nur Donald Trump wusste ihn auf seinem Weg zur Macht zu nutzen, auch unsere eigene Gesellschaft droht von programmierbaren Propaganda-Maschinen gelenkt zu werden. Können wir einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet lernen oder hilft nur noch die sofortige Abschaltung?


Meinung

Dieses Buch ist definitiv ein Lesehighlight!
Wenn ein einflussreicher Blogger ein Buch über das böse Internet schreiben muss, muss ja etwas dahinterstecken und das stimmt. Nervosität, Aggressivität und Radikalität. Das passiert wenn man sich dauerbeschallen lässt und Algorithmen den Rest dazu beitragen.
Der Blogger Silberstein schafft es anhand von verschiedenen Beispielen, die verschiedenen Seiten des Internets, dass zu veranschaulichen, was verbessert werden muss. Das ist ziemlich viel. Er beschreibt, wie schnell sich Leute auf Facebook manipulieren lassen, Versuchsobjekte von seitens Facebook sind und das alles auf legale weise und er nimmt sich auch Social-Media Seiten wie Instagram vor, dessen Influencer wandelnde Werbeschilder sind. Das schlimme dabei ist: keiner sagt etwas dagegen, finden es sogar toll, Sachen empfohlen zu bekommmen, von einer Person, die man nicht persönlich kennt, aber einen wie eine beste Freundin vorkommt, da sie alles mit einem teilt. So scheint es. Niemand geht es schlecht im Internet, es sei denn man will damit Profit machen.

Das mit am schlimmste, was Silberstein in seinen Buch beschrieben hat, war die Veränderung seiner eigenen Mutter, die auf Facebook durch teilen radikaler Bilder immer mehr Freunde in ihrer Liste bekommen hat, Leute die sie nicht kennt, die aber durch den Algorithmus von Facebook angelockt wurden. Und der Mutter haben die vielen Likes gefallen. Schlimm.

Was ich gut fand, war die Tatsache wie Silberstein die Sachen beschrieben hat, nämlich offen und ehrlich!
Auch er schreibt, man solle sich von jeder App und jeden Konto trennen, bei denen man eine Veränderung an sich selbst feststellt. Wird man auf Twitter nur noch wütend, sobald man sich dort einloggt und den ersten Tweet list? Weg damit!
Google, Facebook, Amazon und Apple. Auch wenn man sich nicht ganz von ihnen trennen kann, denn selbst wenn man kein Google Konto hat, wird alles von einem gespeichert, so kann man sein Verhalten dort doch vermindern.

Ich habe dieses Jahr schon einige solcher Bücher gelesen und auch dieses
werde ich nicht im Regal verstauben lassen! Es lässt sich immer wieder gut lesen! Eine große Empfehlung von mir an euch allen!

[Rezension] Corpus Delicti 

Ein Prozess 

Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht dies aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Juli Zeh entwirft in »Corpus Delicti« das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert, in der Gesundheit zur höchsten Bürgerpflicht geworden ist.


Meinung

Ich würde den Roman nicht in Sci-Fiction einordnen, weil dass mich immer an Filme wie Star Wars erinnern, mir fällt eher der anti-utopische Begriff dafür ein: Dystopie. Aber warum? Die 30- Jährige Mia Holl lebt in einem Staat, in der die Gesundheit als das höchste Maß gilt. Das könnte man noch in unserer Gesellschaft übertragen, dystopisch wird es, denn der Staat untersucht ihre Bürger regelmäßig auf ihre Werte und verpflichtende Sporteinheiten. Und das macht Mia zum Problem, denn seit ihr Bruder tot ist, lässt sie alle Pflichten beiseite und entwickelt sich immer mehr zum Dorn im Auge des Staates. Sie wird verklagt und klagt zurück, denn ihr Bruder, der im übrigen eigentlich der war, der alles am Staat angezweifelt hat, ist unschuldig gestorben und zu Unrecht seitens des Staates verurteilt worden. Parallelen gibt es dazu auch zu anderen dystopischen Werken, wie „1984“ oder „WIR“ oder „Flawed“. 

Mia will eigentlich nur ihre Ruhe haben doch als es hart auf hart kommt, verliert sie immer mehr ihre Ernsthaftigkeit, die sie so von ihrem Bruder unterschieden hat.  Eine starke Persönlichkeit bis zum Schluss.

Sehr interessanter, flüssiger Schreibstil in kurzen Kapiteln verpackt. 

Das Ende für Mia ist dann doch noch überraschend, der Leser kriegt noch einen Einblick in Muss Zukunft und dann ist auch schon aus die Maus.