[Rezension] Das Internet muss weg


Originaltitel: Das Internet muss weg
Originalverlag: Knaus, München 2018
Taschenbuch, Broschur, 272 Seiten, 
ISBN: 978-3-328-10443-8
Erschienen am  13. Mai 2019


Eine fundamentale Abrechnung mit dem Internet von einem der einflussreichsten Blogger der Republik

Ausgerechnet Schlecky Silberstein, Kultakteur in der Netzgemeinde, propagiert diesen Leitspruch: »Das Internet muss weg.« Der Blogger und Online Comedian kennt das Netz wie seine Westentasche. Und gerade deshalb warnt er davor. Dank Fake News, Filterblasen und Social Bots erlangen Konzerne, politische Entscheidungsträger und Kriminelle zunehmend Kontrolle über weite Teile der Menschheit. Schlecky Silberstein analysiert den »Daten-Kasino-Kapitalismus«, in dem unsere Daten als Handelsware gezielt eingesetzt werden, um unser Verhalten vorherzusagen und zu beeinflussen. Nicht nur Donald Trump wusste ihn auf seinem Weg zur Macht zu nutzen, auch unsere eigene Gesellschaft droht von programmierbaren Propaganda-Maschinen gelenkt zu werden. Können wir einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet lernen oder hilft nur noch die sofortige Abschaltung?


Meinung

Dieses Buch ist definitiv ein Lesehighlight!
Wenn ein einflussreicher Blogger ein Buch über das böse Internet schreiben muss, muss ja etwas dahinterstecken und das stimmt. Nervosität, Aggressivität und Radikalität. Das passiert wenn man sich dauerbeschallen lässt und Algorithmen den Rest dazu beitragen.
Der Blogger Silberstein schafft es anhand von verschiedenen Beispielen, die verschiedenen Seiten des Internets, dass zu veranschaulichen, was verbessert werden muss. Das ist ziemlich viel. Er beschreibt, wie schnell sich Leute auf Facebook manipulieren lassen, Versuchsobjekte von seitens Facebook sind und das alles auf legale weise und er nimmt sich auch Social-Media Seiten wie Instagram vor, dessen Influencer wandelnde Werbeschilder sind. Das schlimme dabei ist: keiner sagt etwas dagegen, finden es sogar toll, Sachen empfohlen zu bekommmen, von einer Person, die man nicht persönlich kennt, aber einen wie eine beste Freundin vorkommt, da sie alles mit einem teilt. So scheint es. Niemand geht es schlecht im Internet, es sei denn man will damit Profit machen.

Das mit am schlimmste, was Silberstein in seinen Buch beschrieben hat, war die Veränderung seiner eigenen Mutter, die auf Facebook durch teilen radikaler Bilder immer mehr Freunde in ihrer Liste bekommen hat, Leute die sie nicht kennt, die aber durch den Algorithmus von Facebook angelockt wurden. Und der Mutter haben die vielen Likes gefallen. Schlimm.

Was ich gut fand, war die Tatsache wie Silberstein die Sachen beschrieben hat, nämlich offen und ehrlich!
Auch er schreibt, man solle sich von jeder App und jeden Konto trennen, bei denen man eine Veränderung an sich selbst feststellt. Wird man auf Twitter nur noch wütend, sobald man sich dort einloggt und den ersten Tweet list? Weg damit!
Google, Facebook, Amazon und Apple. Auch wenn man sich nicht ganz von ihnen trennen kann, denn selbst wenn man kein Google Konto hat, wird alles von einem gespeichert, so kann man sein Verhalten dort doch vermindern.

Ich habe dieses Jahr schon einige solcher Bücher gelesen und auch dieses
werde ich nicht im Regal verstauben lassen! Es lässt sich immer wieder gut lesen! Eine große Empfehlung von mir an euch allen!

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[Rezension] Corpus Delicti 

Ein Prozess 

Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht dies aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Juli Zeh entwirft in »Corpus Delicti« das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert, in der Gesundheit zur höchsten Bürgerpflicht geworden ist.


Meinung

Ich würde den Roman nicht in Sci-Fiction einordnen, weil dass mich immer an Filme wie Star Wars erinnern, mir fällt eher der anti-utopische Begriff dafür ein: Dystopie. Aber warum? Die 30- Jährige Mia Holl lebt in einem Staat, in der die Gesundheit als das höchste Maß gilt. Das könnte man noch in unserer Gesellschaft übertragen, dystopisch wird es, denn der Staat untersucht ihre Bürger regelmäßig auf ihre Werte und verpflichtende Sporteinheiten. Und das macht Mia zum Problem, denn seit ihr Bruder tot ist, lässt sie alle Pflichten beiseite und entwickelt sich immer mehr zum Dorn im Auge des Staates. Sie wird verklagt und klagt zurück, denn ihr Bruder, der im übrigen eigentlich der war, der alles am Staat angezweifelt hat, ist unschuldig gestorben und zu Unrecht seitens des Staates verurteilt worden. Parallelen gibt es dazu auch zu anderen dystopischen Werken, wie „1984“ oder „WIR“ oder „Flawed“. 

Mia will eigentlich nur ihre Ruhe haben doch als es hart auf hart kommt, verliert sie immer mehr ihre Ernsthaftigkeit, die sie so von ihrem Bruder unterschieden hat.  Eine starke Persönlichkeit bis zum Schluss.

Sehr interessanter, flüssiger Schreibstil in kurzen Kapiteln verpackt. 

Das Ende für Mia ist dann doch noch überraschend, der Leser kriegt noch einen Einblick in Muss Zukunft und dann ist auch schon aus die Maus.


[Rezension] WIR


Das sagt der Klappentext 

 Wie die Romane von George Orwell und Aldous Huxley, die von dem russischen Schriftsteller Jewgenij Samjatin beeinflußt wurden, gehört Wir zu den großen visionären Romanen dieses Jahrhunderts.
Schon 1920 entwarf Samjatin (1884-1937), von der Revolution enttäuscht, in seinem Roman die alptraumhafte Welt eines totalitären Staates. D 503, Bürger des Einzigen Staates und Konstrukteur des Raketenweltraumschiffes Integral, berichtet in seinem Tagebuch vom Leben in einer strahlenden, kristallen durchsichtigen Stadt, in der die Bürger als uniformierte Nummern leben. Von der Arbeit bis zur Liebe ist das Leben streng nach mathematischen Gesetzen organisiert, jede Regung wird beobachtet und kontrolliert. Doch D 503 entdeckt in sich dunkle Triebe aus einer längst vergangenen Zeit – bei ihm hat sich „eine Seele gebildet“. Die ganze seelische Ordnung der technischen Welt gerät durcheinander.

Meinung
Ein Vorbild Orwells.

„1984“ von George Orwell weist gewisse Ähnlichkeiten zu „WIR“ auf, wenn man beide Protagonisten miteinander vergleicht. Beide sind ihrem Staat treu, beide verlieben sich in eine Frau, die sich am Anfang zwar anders und interessant, aber verachtet haben und beide verändern durch die Frau in ihrem Leben ihre Ansichten und sehen ihre Welt mit anderen Augen. 

Das besondere im Staat von „WIR“: Die Menschen haben keine Namen, sondern Nummern. Unser Protagonist hat die Nummer D 503, ist Mathematiker und arbeitet an einer Rakete. Wir lernen ihn im Form seiner Tsgebuchrinträge kennen, so der Aufbau des Romans. Sein Tagebuch soll laut ihm ein Geschenk für den Staat sein, in der er als das Wunderbare darin beschreiben möchte. Sein Tagesablauf ist bis auf die Sekunde geplant. Wenn nicht gearbeitet wird, wird entweder geschlafen oder in der Gruppe spazieren gegangen oder es geht zu Pflichtveranstaltungen. Oder wie in seinem Fall: Er schreibt.

Es gibt keine zwischenmenschlichen Beziehungen in unserem Verständnis des normalen. Mann und Frau können sich aufeinander eintragen, ihre dann gemeinsame Zeit wird dokumentiert. D 503 hat so eine Beziehung zu 0. Als er dann aber I zum ersten mal sieht, geschieht es mit ihm: Diese Frau verändert seine so vollkommen Welt und seine Souveränität beginnt zu bröckeln. Es ist spannend zu sehen, wie er sich verändert, was es mit ihm anstellt und inwieweit er sich dadurch selbst in Schwierigkeiten bringt, denn wie der Klappentext schon sagt: D 503 entwickelt eine Seele und die ist in seinem Staat unmöglich auszuleben. Und was ist hinter den Mauern seines Staats?

Das Ende ist radikal , aber durchaus angebracht. Als Warnung an die Leser von Samjatin und durchaus aktuell für unsere Zeit. Ich kann verstehen, warum Orwell „WIR“ als Vorbild für „1984“ genommen hat und bin sehr begeistert gewesen.. Von beiden Romanen

[Rezension] Bad Blood

Die wahre Geschichte des größten Betrugs im Silicon Valley

Ein SPIEGEL-Buch

Originaltitel: Bad Blood. Secrets and Lies in a Silicon Valley Startup
Originalverlag: Knopf, New York 2018
Hardcover mit Schutzumschlag, 400 Seiten 
ISBN: 978-3-421-04823-3
Erschienen am  01. April 2019


Der New-York-Times-Bestseller jetzt auf Deutsch
Financial Times and McKinsey & Company Business Book of the Year Award 2018
Time Magazine Platz 1 der »Best Non-fiction Books of 2018«

Elizabeth Holmes, die Gründerin von Theranos, galt lange als der weibliche Steve Jobs. Das 19-jährige Start-up-Wunderkind versprach, mit ihrer Firma die Medizinindustrie zu revolutionieren. Ein einziger Tropfen Blut sollte reichen, um Blutbilder zu erstellen und Therapien zu steuern – eine Riesenhoffnung für Millionen Menschen und ein extrem lukratives Geschäft. Namhafte Investoren steckten Unsummen in das junge Unternehmen, bis es mit neun Milliarden Dollar am Markt kapitalisiert war. Es gab nur ein einziges Problem: Die Technologie hinter den schicken Apparaturen hat nie funktioniert. Pulitzer-Preisträger John Carreyrou kam diesem gigantischen Betrug auf die Spur und erzählt in seinem preisgekrönten Buch die packende Geschichte seiner Enthüllung.

Meinung

Der Journalist John Carreyrou schreibt in Bad Blood über  Elizabeth Holmes. 

Das besondere daran ist, dass er sich dabei nicht nur auf ihre Biografie, sondern auch auf zahlreiche Interviews bezieht, darunter mehr als 60 ehemalige Mitarbeiter unter Holmes Erfindung. Sie selbst  wollte nicht mit dem Journalisten kommunizieren und dann ist wohl auch verständlich, hat sie etwas geschaffen, was nicht zu funktionieren scheint.

Die Jahre  2006 bis 2012 werden durchleuchtet und bringen eine Frau zu Tage, die zwar brilliant intelligent ist, aber auch eine wahre Manipulatorin. Es ist wahr, es liest sich wie ein Thriller. Ob düstere Dystopie ist dem Leder selbst überlassen. Fakt ist, mit den zahlreichen Interviews die Carreyrou geführt hat, fügt er alles zu einem wahren Krimi zusammen, der Leser kriegt dabei Einblicke in die Gedanken und Erinnerungen aller vorhandenen Personen, die nicht immer voll zu ihrer Vorgesetzen stehen, müssen sie ja auch die richtige Arbeit machen.

Wer sich um die Machenschaften in Silicon Valley Gedanken macht -Facebook & Co., der ist hier genau richtig. Zwischen Wahn und der bitteren Wahrheit, kann selbst Gossip Girl einpacken. 

[Rezension] Kallocain

Aus dem Schwedischen von Paul Berf
Originaltitel: Kallocain
Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten
ISBN: 978-3-442-75775-6
Erschienen am  29. Oktober 2018

Was wäre, wenn selbst die Gedanken lesbar wären?


Könnt ihr die Wahrheit hören? Nicht alle sind wahrhaftig genug, um die Wahrheit zu hören, das ist das Traurige. Sie könnte eine Brücke zwischen den Menschen sein – nun ja, solange sie freiwillig ist, solange sie als ein Geschenk gegeben und als ein Geschenk empfangen wird. Ist es nicht eigenartig, dass alles seinen Wert verliert, sobald es aufhört ein Geschenk zu sein – selbst die Wahrheit?


Aktueller denn je: „Kallocain“, der große dystopische Roman von Karin Boye – in dem Menschen gelernt haben, sich gegenseitig zu kontrollieren, und verlernt haben, sich selbst und anderen zu vertrauen.

Was wäre, wenn selbst die Gedanken unfrei wären? Mit einer Wahrheitsdroge hat der Chemiker Leo Kall einen Weg in die Seelen seiner Mitbürger gefunden. Die neue Verhörmethode des Staates übernimmt die Kontrolle über die Menschen. Staatsfeindliche Gedanken werden entlarvt, alle Bürger auf Linie gebracht, Ehen gewöhnlich als reine Zweckgemeinschaft geschlossen, um dem Staat Kinder zu schenken. Doch im Geheimen regt sich Widerstand. Manche Menschen suchen Lebenssinn jenseits der offiziellen Doktrin. Auch Leo Kall beginnt zu zweifeln und seine Rolle als loyaler Mitsoldat in Frage zu stellen. Dennoch möchte er mit Hilfe des Wahrheitsserums herausfinden, ob seine Frau ein Verhältnis hat …

Meinung

Nachdem ich schon „1984“ von George Orwell zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zähle, konnte auch „Kallocain “ nicht an mir vorbei. Und es ist großartig!

Anfangs hatte „Kallocain“ einige Parallelen zu „1984“ wie z.B. der Staat, der überwacht. Bei Orwell ist es das Auge, in „Kallocain“ ist es das Polizeiauge . Auch im Schlafzimmer muss man damit rechnen beobachtet und belauscht zu werden.

Leo Kall ist in Kallocain der Protagonist, der sein Leben im Buchformat erzählt. Er ist Chemiker in einem Labor und lebt mit seiner Frau und drei Kindern zusammen. Das Leben spielt sich unter der Erde ab. Der achtjährige Sohn ist zu Beginn der Handlung zu Besuch. Ab sieben Jahren werden die Kinder in dem Weltstaat in einen anderen Ort zur Militärausbildung geschickt. An Anfang ist Leo sehr positiv gestimmt . Eine glückliche Famile in einem Überwachungsstaat, aber im Laufe der Handlung bröckelt die Fassade und Leo merkt dass nicht nur er mit sich zu kämpfen hat sondern auch seine Frau.  Kall merkt, dass er anders denkt, als er sollte und das hasst er, aber er kann seine Gedanken und Neugier zu einer anderen Welt außerhalb seiner eigenen nicht stoppen. Und dann macht er die Erfindung für den Staat schlechthin. Kallocain. Eine Spritze davon und die Wahrheit sprudelt aus den Menschen heraus.  Diese Mixtur kann zukünftige Befragungen ob gerecht oder nicht schneller vorantreiben und beenden. Doch was ist die Wahrheit? Leo ist verwirrt. Sein Zustand wird an einer Stelle sogar als fiebrig beschrieben. 

Wie hat mir Kallocain gefallen? Sehr gut sogar. Wichtig zu erwähnen ist hierbei auch die Biografie der Autorin Karin Boye, die zu ihren Lebzeiten selbst mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hatte und wohl auch mit einen rießigen Gefühlswiirwar wie Leo Kalk zu leben hatte. 

Anhand des Covers kann man nicht alleine sagen, worum es in dem Roman geht. Der Klappentext hilft nur bedingt, es ist aber  offensichtlich, dass es dich hierbei um eine Dystopie handelt. Totalitarismus, Überwachung und Distanz zu anderen stehen hier im Vordergrund. Interessant ist das er acht Jahre vor Orwells 1984 verfasst worden ist und versteckte Kritik an der damaligen Lage enthält. Ein sehr zum Denken anregender Roman!